Diplomarbeit von Cyrill Gross
Ist E-Mail tot?
27.02.2009
Ist E-Mail tot? Diese Frage kann nach der intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik eindeutig mit „Nein“ beantwortet werden. Der Schlüssel zum durchschlagenden Erfolg von E-Mail liegt in seiner technischen Einfachheit und Effizienz, welche die Befriedigung des menschlichen Grundbedürfnisses zur Kommunikation auf eine verhältnismässig neue Art und Weise ermöglicht und dadurch ein soziotechnisches System entstand. Auch wenn zur Zeit auf den ersten Blick die negativen Eigenschaften dominieren und sich diese durch den Umstieg auf – bereits verfügbare – alternative Kommunikationsmittel umgehen zu lassen scheinen, so ist bei einer genaueren Betrachtung die komplette Substitution von E-Mail doch nicht so einfach. Zu vielschichtig sind die Stärken des Mediums, zu wenig universell einsetzbar sind die Alternativen. Die technische Einfachheit, oft als die grösste Schwäche angesehen, entpuppt sich bei genauer Betrachtung denn auch als die grösste Stärke von E-Mail.
Viele der genannten Probleme von E-Mail sind nur indirekt technischer Natur. Unüberlegte Nutzung und Missbrauch, teilweise auch mit kriminellem Hintergrund, sind soziale Phänomene und müssen demnach auch auf dieser Ebene bekämpft werden. Solange sich mit Spam Geld verdienen lässt, solange werden Spammer einen Weg finden ihre Nachrichten zu verbreiten. Solange Internet Nutzer auf Phishing Attacken einsteigen, werden diese von Betrügern
eingesetzt. E-Mail bietet zur Zeit den einfachsten Kanal für solche Aktionen, etabliert sich aber eine neue Kommunikationsform die besser geeignet ist, wird es nicht lange dauern, bis entsprechende Probleme auch dort auftreten.
Diejenigen zu verurteilen, welche die E-Mail Krise mit kritischen Augen betrachten und durch provokative Artikel eine Diskussion entfachen und aufrecht erhalten wäre aber falsch. Denn diese Beiträge bilden die Störungen, welche notwendig sind damit die soziokulturellen Netze der computervermittelten Kommunikation in Bewegung bleiben und sich die Technologien wie auch deren Anwendung weiter entwickelt. In diesem Sinne kann festgehalten werden, dass E-Mail nicht tot ist, es ist lediglich dabei
erwachsen zu werden.
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